Kirche
Canitz
Kirche Canitz

Neue Mitte statt Ruine:
Transformation zu einem Ort für Gemeinschaft und Begegnung

Ausgezeichnete Architektur beginnt oft dort, wo die Ausgangslage schwierig ist. Für die Kirche Canitz entwickelte das Büro Peter Zirkel GvA mbH (Dresden) aus einem über Jahrzehnte dem Verfall überlassenen Bauwerk einen neuen sozialen Mittelpunkt für die Dorfgemeinschaft. Das Projekt wurde gewürdigt mit dem Sonderpreis des Bernhard Remmers Award 2026.
Kirche Canitz ©

Referenzkenndaten

Baumaßnahme: Holzschutz

Objekttyp: Kirche, Historisch geschützte / historisch wertvolle Gebäude

Bauherr: Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Oschatzer Land

Architekt: Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH, Dresden

Zimmerer: Baubetrieb Voigtländer GmbH, Oschatz

Objektadresse: Canitz

Datum / Fertigstellung: 2022

Herausforderung:
Bestand ohne Perspektive

Seit 1975 existierte die örtliche Kirche im sächsischen Canitz bei Riesa nur noch als Ruine. Nach Teilabbrüchen und dem Verlust der Ausstattung blieb ein gesicherter Rohbau zurück ohne Nutzung und ohne Funktion für das Dorf. Erst das Engagement eines Fördervereins setzte einen neuen Impuls: Ziel war es, die Kirche wieder als Ort der Gemeinschaft erlebbar zu machen. Die Ausgangslage war klar begrenzt. Der bauliche Zustand ließ wenig Spielraum zu, gleichzeitig machte das knappe Budget einen vollständigen Wiederaufbau unmöglich. Gefragt war daher eine architektonisch und baukonstruktiv tragfähige Lösung, die den Bestand sichert und zugleich eine neue Nutzung ermöglicht.
Kirche Canitz ©

Reparieren und Weiterbauen

So folgt der Entwurf von Peter Zirkel GvA mbH zwei klaren Leitlinien: dem behutsamen Reparieren des Bestands mit ortstypischen Materialien sowie der gezielten Ergänzung neuer Bauteile in Holz. Aus dieser Haltung heraus wurde der ehemalige Kirchenraum neu organisiert. Durch die Teilung in einen Freihof und einen verkleinerten Sakralraum ist eine neue räumliche Struktur entstanden, die den Bestand nicht rekonstruiert, sondern weiterentwickelt. Eine neu gesetzte Giebelwand fasst den Innenraum und öffnet ihn zugleich zum Außenraum, sodass die ursprüngliche Tiefe des Kirchenraums weiterhin erfahrbar bleibt. „Die Giebelwand bestimmt die Haltung aller weiteren Eingriffe im Bestand“, erläutert Architekt Conrad Lohmann. „Fenster, Türen, Empore und Möbel sind als Ergänzungen ablesbar, ohne einen starken Kontrast zu erzeugen.“ 
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„Viel Spielraum bestand nicht. Der Entwurf musste aus dem Zustand des gesicherten Rohbaus heraus entwickelt werden.“

- Conrad Lohmann, Peter Zirkel GvA mbH

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Reduktion von Materialien und höchste Präzision

Auch in der Realisierung spiegelt sich das Konzept der zurückhaltenden Ergänzung wider. Der Bestand wurde mit wenigen Materialien instandgesetzt: Wände erhielten mehrlagige Kalkputze, vorhandene Sandsteinplatten wurden – wo möglich – gesichert und in das neue Raumgefüge integriert. Auch der Boden wurde sensibel saniert. Die neuen Einbauten im Innenraum führen diese Haltung fort. Fenster, Türen, Möblierung und Orgelempore wurden konsequent in Holz ausgeführt und einheitlich gestaltet. Innen hell lasierend, außen in einem metallisch schimmernden Grauton behandelt, bleiben sie als zeitgenössische Ergänzungen erkennbar, ohne den Bestand zu überlagern. Die Orgelempore als prägendes Element der Innenraumgestaltung wurde mit festkörperreichen Holzveredelung HSO-118 High-Solid-Öl [eco] beschichtet. Dadurch entstehen widerstandsfähige und langlebige Holzoberflächen, die das reduzierte Materialkonzept konsequent fortführen.

So ist in Canitz aus der ehemaligen Ruine ein vielseitig nutzbarer Ort entstanden. Kirchenraum und Freihof greifen ineinander und ermöglichen sowohl sakrale als auch gemeinschaftliche Nutzungen. Der Bau ist damit wieder im Alltag des Dorfes verankert – nicht als Rekonstruktion, sondern als Weiterentwicklung.

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