Hamburg
Mehr Stadt im Dach
Mitten in Hamburg-Eimsbüttel wurde eine denkmalgeschützte Wohnanlage nicht ersetzt, sondern präzise weiterentwickelt: Eine zweigeschossige Aufstockung schafft neuen Wohnraum und stärkt den Charakter des Ensembles. Für den sensiblen Umgang mit dem Bestand und die gelungene Nachverdichtung wurden Trutz von Stuckrad Penner Architekten (Berlin) mit dem Bernhard Remmers Award 2026 in der Kategorie „Holz-/Hybridbau“ ausgezeichnet.
Referenzkenndaten
Baumaßnahme: Fassadensanierung
Objekttyp: Mehrfamilienhaus, Historisch geschützte / historisch wertvolle Gebäude
Bauherr: Stadtboden Grundstücks GmbH, Berlin
Architekt: Trutz von Stuckrad Penner Architekten, Berlin
Fassadensanierung: Schaper Bauwerkserhaltung GmbH
Objektadresse: Hamburg
Datum / Fertigstellung: 2022
Mehr Wohnraum im Bestand
mit klarer Haltung entwickelt
Die 1908 errichtete Anlage mit acht Einzelhäusern, rund 100 Wohnungen und mehreren Ladenlokalen prägt den Else-Rauch-Platz im Stadtteil Eimsbüttel bis heute. Nach Kriegszerstörungen und einem vereinfachten Wiederaufbau der 1950er-Jahre fehlte jedoch ein wesentliches Merkmal: die differenzierte Dachlandschaft. Gleichzeitig bestand Bedarf an zusätzlichem Wohnraum. 23 neue Einheiten sollten entstehen. Die Aufgabe ging damit weit über eine reine Sanierung hinaus. Gesucht war eine Lösung, die den denkmalgeschützten Bestand erhält, stadträumlich weiterentwickelt und zugleich qualitätsvollen Wohnraum schafft. „Maßgeblich war die Frage, welches Gewicht der Neubau im Verhältnis zum Bestand erhalten sollte“, erläutert Architekt Götz von Stuckrad. Grundlage des Neuentwurfs waren lediglich zwei historische Fotografien und Genehmigungspläne von 1908. Die ursprünglich repräsentative Dachform wurde dabei nicht rekonstruiert, sondern in ihrer räumlichen Logik weitergedacht. „Auch wenn eine heutige Wohnnutzung dem historischen Original nicht unmittelbar entsprechen konnte, war ein starker formaler Bezug für uns entscheidend.“
Der neue Dachaufbau übernimmt deshalb prägende Elemente wie Giebel, Risalite sowie Ecktürme und übersetzt sie in eine eigenständige, zeitgemäße Formensprache. So entstand ein ein- und zweigeschossig gestaffelter Baukörper, der die historische Komposition neu interpretiert. Gleichzeitig galt es, die Genehmigungsfähigkeit zu sichern: „Ziel war es, eine zu dominante Erscheinung zu vermeiden“, so der Architekt. Die Lösung lag in der gezielten Anordnung der Öffnungen (insbesondere im oberen Dachgeschoss), die teilweise zu Terrassen orientiert und damit dem direkten Blick entzogen sind. Aufgrund begrenzter Tragreserven der Bestandswände entschieden sich die Architekten für eine Holz-Stahl-Hybridkonstruktion. Sie ermöglicht große Spannweiten und erfüllt zugleich die hohen Anforderungen an Brand- und Schallschutz.
Sanieren, ergänzen,
dauerhauft sichern
- Götz von Stuckrad, Trutz von Stuckrad Penner Architekten
Fachgerechte Abdichtung und Mauerwerks-Instandsetzung
Gerade an Übergängen zwischen Alt und Neu, zum Beispiel in Sockel- und Balkonbereichen, kam es auf dauerhaft funktionale Details an. Hier wurden abgestimmte Abdichtungslösungen eingesetzt, um die Konstruktion langfristig zu schützen. Der Fugenmörtel FM TK ermöglichte eine differenzierte Instandsetzung des historischen Mauerwerks, während die multifunktionale Bauwerksabdichtung MB 2K in stark beanspruchten Bereichen für eine zuverlässige Abdichtung und einen wirksamen Feuchtigkeitsschutz sorgt.
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